• GBSWEEKLY-TEAM

Wer ist... Sophie Scholl?

Vielleicht ist euch ihr Name in den letzten Tagen schon einmal zu Ohren gekommen, denn sie sammelt momentan Follower bei Instagram (231.000 hat sie bereits). Es sind noch nicht so viele wie Billie Eilish, Greta Thunberg, die Kardashians oder Caro Daur haben, aber immerhin! Hm, doch wartet, irgendwas anderes klingelt auch bei dem Namen, oder? Vielleicht, weil sie morgen, nämlich am 9.5.21 ihren Geburtstag feiert? Oder? Nein, das tut sie nicht. Sie wäre am Sonntag 100 Jahre alt geworden. Aber dazu hatte sie keine Chance.


Denn Sophie Scholl ist eine Widerstandskämpferin gewesen, die am 22.2.1943 wegen ihres Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in München verurteilt und hingerichtet wurde. Sie war Mitglied der Weißen Rose, einer Widerstandsbewegung, der hauptsächlich Studenten angehörten, die sich aufgrund ihrer christlichen und humanistischen Werte gegen das NS-Regime stellen wollten. Die Weiße Rose entstand in München.


Sophie Scholl wurde zu einer Symbolfigur des Kampfes gegen den Nationalsozialismus. Die Mitglieder der Weißen Rose waren gegen den Krieg und die Lehren des Nationalsozialismus. Sie verteilten Flugblätter, auf denen über die Verbrechen der NS-Diktatur informiert wurde und auf denen die Menschen, die sich die Flugblätter durchlasen, ebenfalls zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufgerufen wurden. Sophie wurde bei dem Verteilen der Flugblätter (sie warf sie mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Uni von oben in einen Lichthof hinab) erwischt - dies bedeutete damals für sie und ihren Bruder den Tod.


Aber Moment mal, was hat das jetzt mit Instagram zu tun? Wie kann denn eine junge Frau, die von 1921 bis 1943 lebte, zu einer Frau werden, der wir nun auf Insta folgen können? Die App gibt es doch erst seit 2012?! Wir erklären es euch: Das hat damit zu tun, dass viele Museen oder Bildungsinstitutionen sich momentan neue Wege ausdenken, um Geschichte lebendig zu machen und vor allem in unsere neuen Medien reinzubringen.


So steht es in der Pressemeldung vom SWR (dem Südwestrundfunk, der zur ARD gehört), in dessen Haus das Projekt entstand: "Direkt und subjektiv lässt Sophie Scholl in „Ich bin Sophie Scholl“ die Nutzer*innen ihres Instagram-Kanals an ihrem wechselvollen Alltag im Kriegsjahr 1942 teilhaben. Studienbeginn, erste Liebe, Reichsarbeitsdienst, der abschnürende nationalsozialistische Alltag an der Kehrtwende des Zweiten Weltkriegs, Fluchtpunkte bei Freund*innen und in der Natur werden mit den Mitteln von Instagram gegenwärtig und unmittelbar erfahrbar."

https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/pressemeldungen/digital-ich-bin-sophie-2021-100.html


Jetzt fragt ihr euch vielleicht, haben die Redakteure von SWR und BR (der Bayerische Rundfunk, die haben nämlich auch mitgemacht) sich das ausgedacht, was jetzt auf dem Instagramkanal von Sophie @ichbinsophiescholl gepostet wird? Nein.

Sie haben Briefe und Notizen verwendet, die Sophie Scholl von 1937 bis 1943, also bis zu ihrer Hinrichtung, schrieb. Diese schriftlichen Aufzeichnungen gaben ihnen Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle, in ihre Meinungen und Ansichten. Und so fingen sie an, "content" zu "createn", wie man das heute so schön sagt. Also Inhalte, die über Bilder auf Instagdargestellt werden können und das Leben und die Wirklichkeit zur Zeit der 40er Jahre und des Nationalsozialismus zeigen können. Dafür mussten sie natürlich auch Schauspieler finden, die der echten Sophie Scholl von damals ähnlich sieht. Sie fanden Luna Wedler, die wir nun als Sophie Scholl erleben dürfen.

Links sieht man Luna Wedler "so", rechts in ihrer Rolle als Sophie Scholl. Auf dem rechten Bild sieht es so aus, als ob Sophie gerade ein Selfie machen würde, oder?

Hier könnt ihr in einem Videoclip sehen, wie das Projekt aufgebaut ist und könnt auch schon in Videoabschnitte reinschauen, die auch in den Stories auf dem Instagram-Kanal dann gezeigt werden.

Gerade momentan - in Zeiten von Widerstand gegen die Coronamaßnahmen beispielsweise - ist es wichtig, dass uns gezeigt wird, gegen welche Maßnahmen und Gesetze Widerstand tatsächlich heldenhaft, sinnvoll und moralisch richtig ist.


Vielleicht ist dieses Projekt ja auch entstanden, weil sich "Jana aus Kassel" vor ein paar Monaten mit Sophie Scholl verglich: "Ihr Auftritt ereignete sich (...) bei einer "Querdenken"-Demo auf Hannovers Opernplatz. "Ja, hallo, ich bin Jana aus Kassel, und ich fühle mich wie Sophie Scholl", sprach die junge Frau im Wintermantel auf der Bühne, die Stimme brüchig bewegt. Da sie "seit Monaten hier im Widerstand" tätig sei, auf Demos gehe, Flyer verteile und "seit gestern" auch Versammlungen anmelde. "Ich bin 22 Jahre alt, genau wie Sophie Scholl, bevor sie den Nationalsozialisten zum Opfer fiel."

https://www.sueddeutsche.de/politik/hannover-sophie-scholl-querdenken-coronavirus-1.5123595


Dieser unfassbar dumme und geschichts- sowie realitätsverdrehende Vergleich stieß dann auch auf viel Kritik - wie zu erwarten war. Vielleicht möchten die Menschen, die sich das Projekt ausgedacht haben, zeigen, wogegen Sophie Scholl tatsächlich Widerstand geleistet hat - eine menschenverachtende Diktatur, die im krassen Gegensatz dazu steht, wogegen Jana und Konsorten sich zu wehren versuchen: eine stabile Demokratie, die Mitbestimmung ermöglicht und Kritik erlaubt.


Abonniert @ichbinsophiescholl auf Instagram und verfolgt online, was sie bewegt und umtreibt, welche Gedanken sie äußert und wie sie mit ihrem Bruder Hans und ihren Freunden von der Weißen Rose versucht, Menschen über die Grausamkeit der nationalsozialistischen Herrschaft zu informieren.


Quellen im Text.


Bildquellen: https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/pressemeldungen/instagramprojekt-ichbinsophiescholl-2021-104.html (Bilder für redaktionelle Zwecke)


Instagram: @ichbinsophiescholl






60 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen